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Kambodscha

Die dunkle Seite Phnom Penhs: Tuol Sleng

Unser nächstes Ziel wirft einen dunklen Schatten voraus. Wir fahren zum Völkermordmuseum. Die Gebäude, die heute das Tuol Sleng Museum beherbergen, dienten während der Schreckensherrschaft Pol Pots als Foltergefängnis, genannt »Sicherheitsbüro S-21«. Ursprünglich war in den Gebäudetrakten eine Schule untergebracht.

Massenmord am eigenen Volk

Die Diktatur der Roten Khmer unter Pol Pot ist das dunkelste Kapitel der Geschichte Kambodschas. Der staatlich verordnete Genozid ähnelt erschreckend den Morden der Nationalsozialisten in Europa, auch wenn die Opferzahlen in Kambodscha geringer ausfielen.

Von 1971 an wurden im S-21-Komplex Tausende Menschen inhaftiert und gefoltert. Als die vietnamesische Armee 1979 nach Phnom Penh vorrückte, fanden die Soldaten nur noch die Leichen von 14 Häftlingen vor. Das Gefängnispersonal war längst geflohen. Als Mahnmal gegen die Schrecken der Tyrannei, aber auch zur Legitimation des eigenen Einmarsches, richteten die Vietnamesen das Tuol Sleng Völkermordmuseum ein.

In den Gebäuden sind die Zellen von einst zu sehen – wenn auch von der ursprünglichen Einrichtung wenig erhalten ist. Besonders erschreckend sind die aus rohen Ziegelsteinen errichteten Einzelzellen, die kaum mehr Platz bieten, als ein Mensch zum Liegen benötigt.

Galerie des Grauens

Die Roten Khmer dokumentierten ihre Gräueltaten akribisch. Jedes Opfer wurde fotografiert und archiviert. In mehreren Räumen sind die Portraitaufnahmen der Menschen in Reih und Glied auf Stellwände gepinnt. Die Gesichter zeigen Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder, alte und junge, hübsche und ausgemergelte Menschen. Sie alle eint das Schicksal, von den Henkern Pol Pots auf bestialische Weise ermordet worden zu sein.

Die Portraitgalerie ist das eindrucksvollste Element der Ausstellung. Wir sehen in die Augen von Menschen, die uns aus der Vergangenheit entgegen blicken – aufgenommen wenige Tage oder Stunden vor ihrem gewaltsamen Tod. Gemälde eines ehemaligen Häftlings, die den Folteralltag in Tuol Sleng zeigen und Aufnahmen der menschenleeren Straßen Phnom Penhs vervollständigen das Bild der Gewaltherrschaft der Roten Khmer.

Eine Museumspädagogik oder Museographie, wie wir sie aus europäischen Häusern kennen, gibt es im Tuol Sleng Genozidmuseum nicht. Unkommentiert werden Bilder ausgehungerter und halb verwester Leichen gezeigt. Wenn eine Besucherkamera klickt, ist sie fast immer auf eines dieser Gruselbilder gerichtet.

Obwohl ein Schild zu einem der Gedenkstätte angemessenen Verhalten mahnt, unterhalten sich amerikanische Touristen in Bermudashorts laut und posieren für Schnappschüsse vor den Exponaten. Das rare kambodschanische Personal sieht diesem Treiben gleichgültig zu. Tuol Sleng scheint weniger ein Ort des Erinnerns an das kollektive Leid der Khmer zu sein, als eine lukrative Touristenattraktion.

Die Killing Fields von Choeung Ek

Der amerikanische Pulk walzt im Anschluss weiter zu den Hinrichtungsstätten von Choeung Ek – den Killing Fields vor den Toren Phnom Penhs. Zu Zeiten der Roten Khmer wurden dort über 15.000 Menschen ermordet und verscharrt. Heute befindet sich in Choeung Ek eine Gedenkstätte, in der die Überreste der Opfer verwahrt werden.

Angewidert vom sensationsgierigen Gruseltourismus der Amerikaner beschließen wir, Choeung Ek nicht zu besuchen – zumal mit dem Phnom Sampeau bei Battambang ein weiterer Tatort der Roten Khmer auf unserer Reiseroute liegt.

Pros wartet zusammen mit anderen Tuk-Tuk-Fahrern in einer Bude vor dem Museum. Mit bekümmerter Miene erkundigt er sich, ob es uns gut gehe. Pros weiß, dass Tuol Sleng harte Kost ist. Wir versichern ihm unser Wohlbefinden, obwohl uns das Genozidmahnmal tief beunruhigt hat – zeigt es doch, dass sogar die schlimmsten Verbrechen der Geschichte mehr als ein Mal begangen werden.

Das Tuk-Tuk gibt das gewohnte Knattern von sich und Pros vergewissert sich nochmals, ob wir anstatt nach Choeung Ek direkt zum Nationalmuseum möchten. Seine gute Laune kehrt schlagartig zurück: im Nationalmuseum dreht sich alles um die glanzvolle Vergangenheit der Khmer, auf der ein großer Teil des kambodschanischen Nationalstolzes beruht.

Bei der Fahrt durch die engen Gassen geistern uns die Fotos der ausgestorbenen Stadt durch den Kopf. Außerhalb der Museumsmauern sind die Verbrechen der Roten Khmer noch schwerer zu begreifen.

Auf der Landkarte

  1. Tuol Sleng Genozidmuseum

    Kreuzung Street 113 und 350
    Phnom Penh

Tipps und Erfahrungen

Der Eintritt kostet 2 $ pro Person.

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