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Südkorea

Korea in a nutshell: Incheon Transit-Tour

Langstreckenflüge zu schwach frequentierten Zielen bringen einen Zwischenstopp mit sich. Mit großem Gerät schaufelt die Fluggesellschaft Passagiere aus aller Welt an einen Verteilerflughafen, schichtet die Kundschaft gesammelt in kleinere Maschinen um und liefert sie mit einem weiteren Flug am gebuchten Ort ab. Das Zusammenführen der Fluggäste beansprucht Zeit, da diese zu unterschiedlichen Zeiten am Verteiler ankommen. Der Incheon International Airport auf der Insel Yeongjongdo vor Seoul ist ein solches Drehkreuz. Damit die Unannehmlichkeiten des Zwischenstopps weniger auffallen, bietet der Flughafen Transit-Touren an. Diese Ausflüge in die Stadt Incheon überbrücken Wartezeit und gewähren einen Einblick in das Korea außerhalb der Flughafenmauern.

Stopover am Champion der Flughäfen

Aus der Luft ist in riesigen Lettern »Incheon« zu lesen. Es ist kurz vor Mittag, als wir zur Landung in Korea ansetzen. Die Boeing 747 schwebt an der imposanten Incheon Bridge vorbei und setzt wenige Minuten später ächzend auf der Piste auf. Während die Maschine zum Terminal rollt, straft ein vielstimmiger Kanon klackender Gurtschnallen den Ruf eiserner koreanischer Disziplin Lügen.

Die Fluggastbrücke spuckt uns zusammen mit 270 anderen Menschen in den verwaisten Transitbereich. Sogar hier im Gebäude ist die Kälte des koreanischen Winters zu spüren. Die Menge strömt zur Passkontrolle, wir bleiben zurück an einer Theke mit der Aufschrift »Free Korea Transit Tour«.

Dem Incheon Airport eilt ein glänzender Ruf voraus. Mehrfach wurde er auf Basis von Passagierbefragungen als bester Flughafen der Welt ausgezeichnet. Die effiziente Abfertigung und fast fehlerfreie Gepäcklogistik machen den Flughafen für Fluggäste attraktiv. Uns interessieren besonders die angebotenen Transit-Touren, von denen wir uns eine spannende Stippvisite in Korea versprechen.

Free Korea Transit Tour

Der Flughafen hat Touren unterschiedlicher Länge im Angebot. Von 60 Minuten bis zu sechs Stunden dauern die Ausflüge. Sie führen jeweils in das Umland des Flughafens und beinhalten Museumsbesuche, Besichtigungen lokaler Sehenswürdigkeiten und andere Gelegenheiten, koreanische Kultur zu erleben.

Wir haben uns für eine Tour über 3,5 Stunden entschieden. Zum einen ist die Zeitspanne ideal für unseren Aufenthalt von knapp sechs Stunden, zum anderen sieht der Ausflug den Besuch eines Markts vor, an dem das berühmte koreanische Hühnchen in scharfer Pfeffersauce feilgeboten wird.

Unsere Plätze haben wir bereits vor einer Woche online reserviert. Den Machern des Airports ist es durchaus Ernst mit ihrem Transit-Touren-Angebot. Die Tour-Stände finden sich verteilt über den gesamten Ankunftsbereich des Flughafens. Mit unserer ausgedruckten Buchungsbestätigung stehen wir an einem dieser Schalter.

Koreanische Effizienz

Unser Ausdruck ist wegen akuter Tonerschwäche etwas schwachbrüstig und wird von der Dame hinter dem Tresen abschätzig begutachtet. Sie scheint dem angeknitterten Papierstück nicht zu trauen und greift auf ein offizielles Faltblatt zurück. In diesem tippt sie auf die von uns gewählte Tour und kritzelt koreanische Hieroglyphen auf die Rückseite des Prospekts. Wir sollen diese am Hauptschalter in der Ankunftshalle vorzeigen und uns dort verbindlich anmelden.

Die Einreise gestaltet sich tatsächlich sehr effizient. An der Passkontrolle stehen kaum Reisende an. Nach dem Stempeln der Pässe und Einlesen der Fingerabdrücke ziehen wir uns in einer Umkleidekabine der Gepäckausgabehalle die mitgebrachte Thermowäsche an. Kurze Zeit später lassen wir die Zollabfertigung hinter uns und befinden uns offiziell in Korea.

Five minutes to two. Exactly

Zwischen den Autovermietungen, Geldwechslern und Reiseanbietern ist der Buchungsschalter schwer zu entdecken. Nach kurzer Nachfrage stehen wir am Tresen und bezahlen drei Dollar Versicherungsprämie pro Person. Die Tour selbst ist kostenlos.

»Please be here at five minutes to two«, teilt uns die Angestellte in einem Tonfall mit, der keinen Widerspruch duldet.
»Five minutes to two«, wiederhole ich und zeige mein verbindlichstes Lächeln. Dafür ernte ich einen misstrauischen Blick und zwei Ansteckbuttons mit dem Aufdruck »Free Korea Transit Tour«.
»Exactly five minutes to two!«, bekräftigt sie. Wieder dieser Blick. Keine Minute würde sie auf uns warten, soviel ist klar.

Mit an die Brust gehefteten Ansteckern lassen wir uns in der Nähe des Tourenschalters nieder. Es sind noch gute 50 Minuten bis zur Abfahrt, aber sicher ist sicher.

Nur wer einen hat, ist dabei: Der Ansteckbutton weist die Teilnehmer der Transit-Tour aus

Incheon-Brücke

Um fünf vor zwei finden wir uns zusammen mit einem japanischen Paar in den Fünfzigern und einer vierköpfigen amerikanischen Familie am Buchungsschalter ein. Keine Minute später geht es tatsächlich los. Mit der Tourleiterin vorweg verlassen wir den Flughafen und besteigen einen Kleinbus, der direkt vor der Tür wartet.

Der Bus verlässt das Flughafengelände und kreuzt jene Anflugschneise, über die unsere Maschine 90 Minuten zuvor zur Landung ansetzte. Wenige hundert Meter neben der Straße liegt die Landebahn. Über die mehr als zwölf Kilometer lange Incheon-Brücke verlassen wir Yeongjongdo, eine teilweise künstlich angelegte Insel, auf welcher der Flughafen liegt.

Der Incheon-Brückenzug wurde vor vier Jahren fertiggestellt und umfasst eine der weltweit größten Schrägseilbrücken. Während der Bus langsam den Höcker der Hauptbrücke erklimmt, werden uns die gigantischen Ausmaße der Konstruktion bewusst. Zwischen den beiden großen Pfeilern überspannt die Fahrbahn in 74 Metern Höhe das Gelbe Meer auf einer Länge von über einem dreiviertel Kilometer. Unter der Brücke kreuzende Ozeanriesen werden zu Modellschiffen angesichts dieser Dimensionen.

Wolmi Park

Unser erstes Ziel ist der Wolmi Park am Rand der Stadt Incheon. In der Parkanlage stehen zwei traditionelle koreanische Häuser, die wir besichtigen wollen. Im Freien schlägt uns eisige Kälte entgegen, die unsere Gesichter wie tausend Nadelstiche trifft und klamm durch die Maschen der Thermowäsche kriecht.

Traditionelles koreanisches Herrenhaus im Wolmi Park

Wir betreten das alte koreanische Herrenhaus und stehen im ersten Innenhof des Anwesens. Das Gebäude wurde nach historischem Vorbild gebaut. In der traditionellen Bauweise verstehen sich in Korea nur noch wenige Handwerksmeister, erzählt unsere Tourleiterin. Praktisches Wissen geht verloren, die Instandhaltung des historischen Erbes wird zur Herausforderung.

Alle Räume werden über Außentüren betreten, es gibt keine Flure oder Zimmerfluchten. Ausgestattet sind die Zimmer mit wenigen, aber kunstvoll gefertigten Möbeln. Die Sitzgelegenheiten und Betten befinden sich direkt auf dem Fußboden. Um dem strengen koreanischen Winter zu trotzen, beheizten die Koreaner ihre Häuser mit heißem Rauch, den sie durch Kanäle im Fußboden leiteten. Fußbodenheizungen sind bis heute Standard in Korea.

Einen Steinwurf entfernt steht das zweite historische Gebäude, ein Bauernhaus, ebenfalls nach altem Vorbild errichtet. Die drei kleinen Zimmer führen wieder direkt ins Freie. Auch in weniger wohlhabenden Haushalten musste nicht auf den Komfort eines geheizten Fußbodens verzichtet werden.

Vor dem Bauernhaus sind Werkzeuge für den Reisanbau ausgestellt. In Korea folgt die Landwirtschaft dem selben Rhythmus wie in Europa. Pro Jahr wird eine Reisernte eingebracht. Das nebenan angelegte Reisfeld liegt unter aufgepudertem Schnee im Winterschlaf. Im eisigen Griff des Winters erscheint die Szene unwirtlich.

Unsere Tourleiterin zeigt sich besorgt über die Kälte und zupft unsere Kapuzen noch etwas tiefer in unsere Gesichter. Mit eingezogenen Hälsen und in kleinen Schritten trippeln wir zurück zum Bus.

Sinpo Markt

Weiter geht es zu einem lokalen Markt, dem Sinpo Market. Dieser lieg mitten in der Stadt. Unser Bus hält in einer belebten Straße neben Imbissständen, kleinen Ladendielen und Café-Bars. Bevor uns die Tourleiterin in den Trubel entlässt, schärft sie uns ein, wir sollen uns die Nummer des nächstgelegenen Basareingangs merken. Die Besonderheit dieses Basars ist, dass er unter der Straße liegt, auf der wir gerade stehen. Links uns rechts der Straße führen in regelmäßigen Abständen durchnummerierte Treppenabgänge hinab.

Beim Betrachten des Chilisortiments wird klar, dass es den Koreanern mit hot und spicy ernst ist

Die wirkliche Attraktion liegt jedoch in den Seitenstraßen. Hier reihen sich dutzende kleine Läden aneinander und breiten sich trotz eisiger Temperaturen in die Gassen aus. Neben Kehrschaufeln wird Trockenfisch feilgeboten, neben Jeans garen dampfende Dumplings. Der Sinpo Market bietet das volle Spektrum eines asiatischen Marktes, auch wenn das andernorts vorherrschende Chaos fehlt. Trotz Minusgraden steigt uns an allen Ecken ein anderer köstlicher Duft in die Nase.

Bei minus sieben Grad braucht es keinen Kühlschrank: Meeresfrüchte oder Geflügel in Pfeffersauce und sauer eingelegtes Gemüse

Besonders interessiert uns Yangnyeom tongdak, frittiertes Hühnchen in scharfer Pfeffersauce, eine koreanische Spezialität. Händler bereiten die Hühnerteile frisch auf der Straße zu und verkaufen sie an Passanten. Yangnyeom tongdak ist das beliebteste Streetfood in Korea, mit dem kein westlicher Bulettenbräter konkurrieren kann.

Die Sauce ist der Schlüssel zu einem gelungenem Yangnyeom tongdak. Jeder Anbieter hat ein geheimes Rezept, ähnlich den Currywurstbuden in Deutschland. Ganze Franchiseketten gründen auf den populärsten Saucenrezepten. Am Wochenende bildet sich vor einem besonders beliebten Hühnchenstand eine Schlange bis weit auf die angrenzende Straße hinaus, erzählt unsere Tourleiterin.

Zu Stoßzeiten ist die Schlange deutlich länger. Anstehen für Yangnyeom tongdak, frittiertes Hühnchen in Pfeffersauce

Die vereinbarte Abfahrtszeit naht und wir finden uns am Bus ein, der mit laufendem Motor wartet. Kurz nach der ausgemachten Zeit trifft die amerikanischen Familie ein, mit dicken Backen kauend und mehreren Fleischspießen in den Händen. »Kein Essen im Bus«, erinnert unsere Tourleiterin und verweist die vier unerbittlich in die Kälte. Gäbe es einen Preis zu gewinnen im Fleischspießeschnellessen: die Auszeichnung wäre an diesem Tag neu verliehen worden.

Incheon Open Port

Vorbei an Landungsbrücken, großen Pötten und Hafenbaracken führt unser Weg zurück in Richtung Flughafen. Unseren letzten Programmpunkt, den Seehafen von Incheon, besichtigen wir von der Straße aus. Vor Kälte bibbernd lassen wir die Erkundung zu Fuß ausfallen.

Der Hafen wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und ist heute der zweitgrößte Koreas. Seine Eröffnung markiert eine Wendung in der koreanischen Geschichte. In jener Zeit öffnete sich das Land gegenüber anderen Nationen und trat in den internationalen Geschäftsverkehr ein. Zu dieser Geschichte passt, dass in den letzten zehn Jahren rund um den Hafen eine Freihandelszone eingerichtet wurde – wiederum die erste in Korea.

Straßenzug im Hafenviertel von Incheon

Bis in die letzte Zelle gefroren sitzen wir im Bus. Die unter den Plätzen surrende Heizung wärmt kaum. Erneut queren wir die Incheon-Brücke und nähern uns unter landenden Jets dem Flughafengebäude. In weniger als zwei Stunden startet unsere Maschine nach Phnom Penh. Der Fahrer hält direkt vor der Empfangshalle. Haben wir bei der Einreise die Temperatur im Flughafen als kühl empfunden? Blödsinn! Mollig warm ist es hier.

Unsere Bewertung

Besser kann man einen Stopover nicht nutzen: Eine Transit-Tour bietet die spannende Möglichkeit, das Südkorea in Flughafennähe zu erkunden – freundliche Tourleitung und Zeit für eigene Streifzüge inbegriffen.

Auf der Landkarte

  1. Incheon Airport

  2. Incheon Bridge

  3. Historische Häuser im Wolmi Park

  4. Sinpo Market

  5. Incheon Open Port

Tipps und Erfahrungen

  • Auf der Website des Flughafens können Plätze vorab reserviert werden. Trotz Hauptreisezeit war bei unserem Besuch jedoch wenig Andrang. Kurzentschlossene habe daher gute Aussichten, einen Platz zu ergattern.
  • Entgegen der Aussage am Tourschalter akzeptieren nicht alle Händler des Sinpo Markts Dollar. Mit Euro ist man völlig chancenlos. Daher besser im Flughafen einen kleinen Betrag Won wechseln.

Kommentare zu diesem Artikel

Walter Kentrup schrieb am

Danke für den Bericht war sehr aufschlußreich.

Wir freuen uns über deinen Kommentar zu unserem Artikel

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