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Kambodscha

Phnom Sampeau: Heiligtümer, Tempelaffen und skrupellose Mörder

Mit jedem Meter, den wir näher kommen, schält sich der Phnom Sampeau aus seinem dunstigen Schleier. Der Berg ist eine überragende Landmarke vor den Toren Battambangs. Umrankt von dichter Vegetation ragen seine schroffen Felswände über 150 Meter steil in die Höhe. Auf dem Gipfel des Berges funkeln die goldenen Turmspitzen einer Pagode in der Nachmittagssonne. Doch der romantische Schein trügt: die Geschichte des Phnom Sampeau enthält düstere Kapitel.

Achterbahn on motorbike

Es ist später Nachmittag geworden als wir am Phnom Sampeau ankommen. In Kambodscha wird es früh und schnell dunkel, weshalb wir den Anstieg zum Gipfel per Motodup antreten. Wir wollen rechtzeitig zu Anbruch der Dunkelheit zurück im Tal sein, um dort einem schaurigen Naturspektakel beizuwohnen. Zwei Dollar kostet die Fahrt auf den Gipfel, drei mit Rückfahrt.

In einem aberwitzigen Tempo treiben unsere Fahrer ihre Mopeds die schmale betonierte Straße nach oben. Der Taxidienst scheint ein auskömmliches Geschäft zu sein: Einer der Fahrer ist rundum wohlgenährt, um nicht zu sagen kugelrund-fett. Nicht vorzustellen, würde ein durchschnittlicher Amerikaner hinter ihm als Sozius Platz nehmen. Noch weniger vorstellbar, welchen Qualen das Gefährt ausgesetzt wäre angesichts der steilen Strecke.

In den Killing Caves des Phnom Sampeau

Auf halber Höhe des Phnom Sampeau liegt ein Höhlensystem, das Heimat einer liegenden Buddhastatue ist. Bekannt sind die Höhlen aber weniger als spiritueller Ort denn als Tatort einer grausamen Mordorgie. Die Roten Khmer stürzten ihre Opfer in eine Felsspalte, auf deren Grund sich die Sterbenden und Toten türmten.

Es herrscht eine bedrückende Stimmung an dem Ort, den die Kambodschaner auch die »Killing Caves« nennen. Die kühle, schwere Luft der Grotten ist durchsetzt vom würzigen Duft abgebrannter Räucherstäbchen. In einer Ecke der Haupthöhle steht ein Drahtgestell, in dem Schädel und Knochen gestapelt sind. Wenig entfernt kauert eine Greisin und wippt zu einem lautlosen Rhythmus.

Etwas oberhalb der Killing Caves sitzen fünf goldene Buddhas

Wir verlassen die Grotte über eine steile Treppe, an deren Ende unser rundlicher Fahrer wartet. »Very sad«, schnauft er und nickt betreten mit dem Kopf. Der Pfad zurück zur Straße führt vorbei an einer Gruppe sitzender Buddhastatuen, denen Gläubige orange Tücher um die Schultern gelegt haben.

Fruchtbare Weiten

Nach einem kurzen, wilden Ritt erreichen wir den Gipfel. Die Mopeds stoppen neben einer Hütte, in der ein kleiner Kiosk untergebracht ist. Wir geben den Fahrern zu verstehen, dass wir den Abstieg zu Fuß wagen werden, worauf der Dicke in Richtung einer steilen Treppe nickt und »way down« grunzt.

Wir verharren einen Augenblick, bis sich der blaue Qualm der Mopeds verzogen hat und werden mit einem prächtigen Ausblick belohnt. Vor uns breitet sich die Weite des Flachlands von Battambang aus, der Reiskammer Kambodschas. Zu einem Flickenteppich verwoben liegen die Reisfelder dicht an dicht; der flache Horizont verliert sich in der Unendlichkeit des aufsteigenden Dunstes. Es heißt, der Anblick hätte sich seit der Zeit Angkors kaum verändert.

Die Heiligtümer des Phnom Sampeau

Der Phnom Sampeau blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Sein Gipfel beherbergt zwei Pagoden und zahlreiche Schreine und Statuen. Die prächtige Bebauung veränderte sich über die Jahre, Teile wurden ergänzt, ausgebessert und wieder verworfen. Mit der Machtergreifung der Roten Khmer endete die Ära der Mönche auf dem Phnom Sampeau. Pol Pots Schergen stürzten sie über die Mauern ihrer eigenen Wats hinweg in die Tiefe. Unter den Roten Khmer wurden die Wats zur Folterstätte. Das Bild dieser dunklen Zeit prägten Geschütze, deren Überreste noch heute zu sehen sind.

Das Innere der Pagode ist mit Szenen aus dem Leben Buddhas verziert

Über Irrwege gelangen wir von Wat Brahn, der vorderen Pagode, zu Wat Konping, der Pagode mit den goldenen Türmen, welche nach dem Vorbild Angkor Wats errichtet wurden. Von fern sehen die Wats des Phnom Sampeau prächtig aus, aus der Nähe betrachtet fallen die vielen kleinen Baufälligkeiten ins Auge, die der Anlage einen morbiden Charme geben.

Die beiden Wats auf dem Phnom Sampeau bestehen aus mehreren kleinen Gebäuden und Schreinen. Die Bauwerke stehen auf Säulen, die im felsigen Untergrund verankert sind. Vom Abgrund trennt uns eine steinerne Brüstung, aus der an einigen Stellen große Stücke gebrochen sind.

Die Bauwerke des Phnom Sampeau ruhen auf Pfosten, die im zerklüfteten Fels verankert sind

Unter Tempelaffen

Wir machen uns an den Abstieg. 700 Stufen liegen vor uns bis ins Tal. Doch unser Weg endet bereits nach dem ersten Treppenabsatz: Ein träge auf den Stufen liegender Makake blockiert den Pfad und lässt sich von uns nicht stören. Wir setzen uns in einigen Metern Entfernung und schauen ihm beim Nichtstun zu.

Die Affen vom Phnom Sampeau

Ein weiterer Affe gesellt sich hinzu und beginnt dem anderen das Fell zu lausen. Mit einem Mal kommt Bewegung ins Geäst entlang des Pfades. Rings herum rascheln Zweige und ein Makake nach dem anderen bricht aus dem Unterholz. Im Nu umzingelt uns eine ganze Horde von ihnen.

Die größte Attraktion der Affenbande ist eine blaue Glasmurmel, die Begehrlichkeiten ringsum weckt. Bei Diebstahlsgefahr versteckt sie ihr jeweiliger Besitzer kurzerhand im Mund. Ist die Luft rein, holt er die Murmel rasch wieder hervor und rollt sie mit der flachen Hand in kreisenden Bewegungen auf den flachen Steinstufen.

Die Makaken lassen sich von uns nicht stören: Seelenruhig lässt sich ein Weibchen lausen

Während wir die Makaken beobachten, kommt die Gruppe Stufe für Stufe näher. Es dauert nicht lange und wir sitzen mitten im Getümmel. Die Murmel ist bereits einige Stufen über uns angelangt, als ihrem Besitzer ein Lapsus unterläuft: In großen Bögen hüpft die Murmel an uns vorbei. Alle Affen halten inne und verfolgen gebannt den Weg der Glasperle. Diese springt von Stufe zu Stufe, gewinnt an Fahrt und macht einen Satz über die niedrige Brüstung hinweg um klanglos im Dickicht zu verschwinden.

Wir erwarten, dass die Makaken hinter der Murmel her stürzen, doch keiner rührt sich. Kaum ist sie verschwunden, verlieren die Affen das Interesse an der blauen Kugel, an uns und an diesem Ort. Einer nach dem anderen verschwindet in den grünen Zweigen und wir setzen unseren Weg ins Tal fort.

Es dämmert bereits, als wir am Fuß des Phnom Sampeau ankommen. Genau die richtige Zeit für einen Besuch der Bat Cave.

Auf der Landkarte

  1. Killing Caves

  2. Wat Brahn und Wat Konping

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