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Kambodscha

Phnom Penh: Street Food im Lampenschein

Die Städte Indochinas sind gespickt mit fliegenden Essenshändlern. Aller Orten wird frittiert, gegrillt und gedämpft. Unzählige Köstlichkeiten warten am Straßenrand darauf, verkostet zu werden. Um drei Uhr nachts ist das Angebot allerdings mager. Nach kurzer Suche stehen wir hungrig vor einem Stand, an dem es noch nach Essen duftet.

Cambodia Fried Chicken

Auf einem Handkarren dampfen im Licht einiger Energiesparfunzeln große Alukessel vor sich hin. Zwei wackelige Tische mit Plastiktischdecken und ein Dutzend nicht minder wackeliger Plastikstühle vervollständigen das Straßenrestaurant. Wir wissen nicht, welche Gerichte hier angeboten werden, aber der Anblick der blubbernden Kessel lässt unsere Mägen knurren. Unser Ausflug ins Nachtleben Phnom Penhs hat uns hungrig gemacht.

Nach anfänglichen Verständigungsproblemen bestellen wir zwei Portionen gebratener Nudeln – nach Dons ausgiebigen Verhandlungen zum Preis von einer – und nehmen an einem der klapprigen Tische Platz. Fast augenblicklich stehen Glaskrüge mit lauwarmem, wässrigem Tee vor uns. Wenig später kräuseln sich Dampfspiralen über unseren Tellern.

Die gebratenen Nudeln ähneln Spaghetti. Sie glänzen vor Öl, hier und da versteckt sich ein Schnippsel Gemüse. Eine fade Angelegenheit, wie wir finden. Selbst mit Chilisauce schmecken die Nudeln langweilig. Wir fragen uns, ob das tatsächlich alles ist, was wir um diese Uhrzeit erwarten dürfen.

Innereien und Traditionen

Am Nebentisch sitzt ein Mann und schaufelt hastig Essen in sich hinein. Don steht auf und begutachtet den Inhalt seines Tellers. Offensichtlich sieht dieser lecker aus, da Don mit wilden Gesten versucht, das Gleiche zu bestellen. Als seine Darbietung erfolglos bleibt, beginnt er die umstehenden Töpfe zu inspizieren. Weit entfernt kann die Quelle des Leckerbissens nicht liegen.

Don fuchtelt aufgeregt umher und deutet mal auf diesen, mal auf jenen Topf. Die Kambodschaner sind irritiert über den aufgekratzten Gast und seinen nächtlichen Trubel. Unser Tischnachbar eilt zu Hilfe und klärt seine Landsleute auf. Selig kehrt Don an unseren Tisch zurück.

Auf die Frage, was er geordert hätte, antwortet er zufrieden: »Innards!«
Kaum haben wir die Nasen gerümpft, steht auch schon ein weiterer Teller mit glänzenden Fleischbröckchen unterschiedlichster Farben und Formen vor uns. Don und Brian schlagen zu, wir reagieren verhaltener. Brian bugsiert schadenfroh Kutteln in unsere Essschälchen.

»In China ist es äußerst unhöflich, Speisen nicht zu essen, die einem auf den Teller gelegt – also quasi geschenkt – werden«, merkt Brian an.
»In Deutschland gilt es mancherorts als unhöflich, den Teller nicht leer zu essen«, antworte ich.
Wir stellen fest, dass sich chinesische und deutsche Traditionen wunderbar ergänzen – und bugsieren das Gekröse in unsere Münder.

More tea!

Brian leert seinen Krug. Don ruft »More tea!« und winkt den verwirrt dreinschauenden Kambodschanern zu.

In Peking haben wir erlebt, dass chinesische Restaurantgäste mit Wünschen nicht hinter dem Berg halten. Sie rufen lauthals nach dem Kellner, sobald sie etwas bestellen wollen oder ein anderes Bedürfnis haben.

In Kambodscha ist das – vorsichtig ausgedrückt – weniger üblich. Unser Straßenwirt greift zur Teekanne und schlurft herbei. Doch statt einzuschenken, knallt er die Kanne wortlos auf den Tisch und macht kehrt. Don grinst.

Zwischen dem Gast vom Nebentisch und den Standbetreibern entsteht eine rege Diskussion auf Kambodschanisch. Als wieder Stille eingekehrt ist, beugt er sich zu uns und raunt, dass unsere Mahlzeit etwas teurer würde, als zunächst gedacht. Don versichert uns, dass grundsätzlich vom halben Preis auszugehen sei.

Zurück auf Los

Satt lehnen wir uns zurück und blicken auf die Uhr: halb vier. Wir brauchen dringend ein Tuk-Tuk! Praktischerweise steht keinen Steinwurf entfernt eines am Straßenrand. Der Fahrer hat es sich auf der Rückbank bequem gemacht und hält ein Nickerchen. Unserem Ansinnen steht er allerdings eher kritisch gegenüber und winkt müde ab.

Verloren stehen wir am Straßenrand. Bis in die Hotels wäre es zu Fuß eine gute halbe Stunde. Für Don und Brian geht es am nächsten Tag weiter nach Siem Reap; wir wollen uns die Sehenswürdigkeiten in Phnom Penh ansehen. Eine Mütze Schlaf wäre also nicht verkehrt. Wir beschließen, ein paar Straßenecken weiter zu laufen, um unterwegs auf gut Glück einen Fahrer zu finden. Doch soweit kommt es nicht. Das bekannte Knattern kommt näher und stoppt auf unser Winken. Wir klettern in das Tuk-Tuk und zurück geht es zu den Hotels – natürlich zum halben Preis.

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