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Kambodscha

Kunstwerke einer glanzvollen Vergangenheit

Das Nationalmuseum verwaltet die weltweit umfangreichste Sammlung von Khmer-Kunst. In der Ausstellung und den Archiven befinden sich Stücke aus den unterschiedlichsten Perioden Kambodschas. Der Hauptteil der Sammlung besteht aus Artefakten der Angkor-Zeit.

Großer Tempel der Khmer-Kunst

Pros biegt am Königspalast ab und wir halten in einem Gewühl anderer Tuk-Tuks. Die weitere Durchfahrt zum Palast ist gesperrt und wird von Polizisten bewacht. Für den Moment interessieren wir uns allerdings nieder für den König noch seinen Sitz. Unser Augenmerk gilt dem großen roten, pagodenartigen Gebäude, das sich hinter einer akribisch gestutzten Hecke erhebt.

Das Nationalmuseum Kambodschas wird häufig als klassische Khmer-Baukunst referenziert. Es wurde allerdings von den französischen Kolonialisten in über zweijähriger Bauzeit ab 1917 errichtet. Als Vorbild diente die traditionelle Tempelarchitektur der Khmer. Die Dimensionen der Gebäude wurden jedoch den Anforderungen eines Museums angepasst.

Haupteingang des Nationalmuseums

Beinahe übersehen wir die Bude, in der wir unsere Eintrittskarten kaufen. Im Gegensatz zum Tuol Sleng Völkermordmuseum und dem Königspalast herrscht im Nationalmuseum – trotz Hochsaison – kein Besucherandrang. Außer uns verlieren sich nur noch ein knappes Dutzend Besucher in den Flügeln des Museums. Nach dem aufwühlenden Besuch des Genozidmuseums tut uns die besinnliche Ruhe gut.

Im Museum streifen wir durch die Ausstellung und erleben Blütezeit und Abstieg des Khmer-Reiches. Über die Jahrhunderte änderte sich Anspruch und Können der Steinmetze und ihrer Könige. Neben vielen Stücken aus den Tempeln Angkors sind auch Kunstwerke aus der näheren Vergangenheit ausgestellt. Besonders interessant ist ein mit kunstvollen Schnitzereien verziertes Hausboot, mit dem König Ang Duong auf Mekong und Tonle Sap reiste. Die königliche Bestattungsurne aus purem Gold ist ebenfalls im Museum ausgestellt.

Diebe und Tyrannen

Viele wertvolle Stücke aus den Tempelanlagen Angkors wurden in das Nationalmuseum in Phnom Penh verfrachtet, um einem Diebstahl aus den weitgehend unbewachten Tempeln zu entgehen. Wichtige Statuten wurden später durch Betonabgüsse ersetzt, um die Anmutung der Tempel vor Ort zu erhalten. Selbst diese Abgüsse wurden bisweilen Opfer naiver Diebe.

Während der Herrschaft der Roten Khmer blieb das Museum geschlossen. Obwohl Pol Pots Schergen wenig respektvoll mit der Vergangenheit ihres Volkes umgingen, überstand die Sammlung das Regime ohne größeren Schaden. Leicht zu transportierende Gold- und Silberarbeiten wanderten allerdings in die Taschen der Unterdrücker.

Innenhof des Nationalmuseums

In der Ruhe des Museums macht sich die vergangene kurze Nacht bemerkbar. Der herrlich angelegte Garten im Innenhof kommt uns da sehr entgegen. Für eine Stunde oder mehr sitzen wir auf einer Bank im Schatten und blinzeln schläfrig in die Sonne.

Pros wundert sich unterdessen, was wir im Museum treiben. Als wir endlich vor das Museumstor treten ist er verschwunden. Unentschlossen laufen wir an den Polizeisperren auf und ab und sondieren die Reihen wartender Tuk-Tuks. Kein Zweifel: unser Fahrer ist weg!

Dachte Pros, dass wir ohne ihn weitergezogen sind? Oder hat er eine kleine Fahrt zwischendurch angenommen? Vielleicht einfach nur Hunger bekommen? Wir müssen unsere Tour wohl mit einem anderen Tuk-Tuk fortsetzen.

»Daaarius! Wooong!«, ruft Pros und versucht das Knattern seines Tuk-Tuks zu übertönen, mit dem er keinen Moment zu früh um die Ecke biegt. Verwundert stellt er fest, dass wir uns anscheinend sehr für die Kunst seines Volkes interessieren. Wir verschweigen ihm unsere Ruhepause im Garten und fragen auch nicht, was er in der Zwischenzeit getrieben hat.

Obwohl der Königspalast in direkter Nachbarschaft zum Nationalmuseum liegt, wollen wir zunächst Wat Phnom besichtigen und anschließend zum Palast zurückzukehren – in der Hoffnung, den Besuchermassen zu entgehen.

Unsere Bewertung

Das Museum zeigt großartige Kunstwerke aus den Zeiten Angkors und der jüngeren Geschichte. Neben der Sammlung, die leider etwas altmodisch in den Sälen präsentiert wird, ist der prächtige Garten im Innenhof des Nationalmuseums sehr sehenswert.

Auf der Landkarte

  1. Nationalmuseum

    Kreuzung Street 13 und 178
    Phnom Penh
    http://www.cambodiamuseum.info

Tipps und Erfahrungen

  • Ein Besuch im Nationalmuseum sollte vor dem Besuch der Tempel erfolgen. Ansonsten lässt eine gewisse »Tempelmüdigkeit« den Reiz der ausgestellten Stücke verblassen.
  • Die Ausstellungsstücke sind zwar nur spärlich, aber dafür auch in Englisch beschriftet.
  • In der Ausstellung ist Fotografieren nicht erlaubt, woran sich aber kaum ein Besucher hält.
  • Der Eintritt kostet für Ausländer 5 $, für Kambodschaner 0,12 $ (500 Riel).
  • Das Museum ist sehr gepflegt – abgesehen von den Toiletten.

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