Food.
Travel.
Blog.
Asiana Airlines

Go East: Ab durch die Mitte

Nach dreimonatiger Planung brechen wir auf, um Kambodscha mit dem Rucksack zu bereisen. In den letzten Wochen haben wir Reiserouten erstellt und wieder verworfen, Sehenswürdigkeiten gegoogelt und alles Greifbare über die kambodschanische Kultur und Küche gelesen. Heute geht es los. Mit einem Zwischenstopp in Korea fliegen wir nach Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Der Zeitpunkt könnte nicht besser gewählt sein. Das Wetter in Deutschland soll sich in den nächsten Tagen verschlechtern, dunkel-feuchte Wintertage ziehen am Horizont auf.

Asiana Airlines

Wir fliegen mit Asiana Airlines, jener koreanischen Gesellschaft, die erst kürzlich ein Flugzeug bei einer Bruchlandung in San Francisco verloren hat. Trotz ramponiertem Ruf wegen angeblicher Lücken in der Pilotenausbildung rühmt sich Asiana, eine der wenigen 5-Star-Airlines im Skytrax-Ranking zu sein. Vor allem der Service an Bord soll ausgezeichnet sein.

Am Flugsteig wartet eine Boeing 747-400 Combi auf uns. Bei diesem Flugzeugtyp wird das hintere Segment der Hauptkabine nicht für Passagiere, sondern für Fracht genutzt. Statt 370 passen nur 270 Personen in die Maschine.

Für Economymaßstäbe sind unsere Plätze ausgezeichnet. Wir beziehen die Sitze 29 A und 29 B in einer der raren Zweierreihen neben der Treppe zum Oberdeck und sehen uns um. Das Flugzeug macht einen heruntergewirtschafteten Eindruck. Die Kunststoffteile sind vergilbt, als wäre das Rauchverbot erst gestern erlassen worden. Zahlreiche halb abgerissene Aufkleber verunstalten die Gepäckablage über unseren Köpfen. Eine der Fensterscheiben ist blind vor Kratzern, ihre Einfassung orange-gelb verfärbt wie die Zähne einer Bisamratte.

Koreanisches Dinner

Die Flugbegleiter sind tatsächlich sehr zuvorkommend. Andere asiatischen Fluggesellschaften, wie Cathay Pacific, Singapore Airlines oder Thai Airways, müssen den Wettbewerb jedoch nicht scheuen. Verglichen mit einem US-Airways-Flug befinden wir uns allerdings im Servicehimmel.

Kaum sind wir 60 Minuten in der Luft, wird das Abendessen serviert. Zur Wahl stehen Hühnchen mit Kartoffeln und ein koreanisches Essen, erläutert uns der Flugbegleiter. Den Namen des koreanischen Gerichts spart er sich: zu kompliziert, nehmen wir sowieso nicht.
»I would like to have the Korean dish, please«, sage ich.
»For me also, please«, verkündet Darius.
Unser Flugbegleiter schaut verdutzt.
»Really?«
Wir wirken glaubwürdig, er scheint sich zu freuen.

Aus seinem Rollcontainer wandern zwei Tabletts auf die Klapptische vor uns. Das hier wird die Suppe, erklärt er und zeigt auf einen staubigen Quader in einem Tässchen. Dies ist der Reis, das die scharfe koreanische Sauce und dort steht die Schüssel mit Fleisch und Gemüse. Wir sollen alles – vielleicht abgesehen von der Suppe – vermischen und dann: guten Appetit!

Das erscheint uns einfach. Wir betrachten noch die Einzelteile unseres Essens, als eine Flugbegleiterin mit dampfender Wasserkanne vorbeischaut.
»Oh, you have Korean food!«, stellt sie erfreut fest und füllt die Tassen mit heißem Wasser auf. Der Quader zersetzt sich in Sekundenschnelle und ein feiner Duft nach Fischsuppe breitet sich aus. Die Flugbegleiterin beugt sich zu uns herunter und raunt: »Mix everything«, wobei sie mit dem Finger auf Schüssel, Reisbeutel und Saucentube deutet. Wir nicken eifrig.

Darius öffnet seine Reisportion, gibt sie in die Schüssel zu Fleisch und Gemüse und drückt eine haselnussgroßen Portion koreanische Würzsauce hinzu.
Ich öffne meine Reisportion, gebe sie in die Schüssel zu Fleisch und Gemüse und drücke die gesamte koreanische Würzsauce hinzu.
Wir rühren und vermischen akribisch.
Darius probiert sein Essen und findet es ziemlich scharf.
Ich probiere mein Essen und bekomme keine Luft mehr, krächze nach Wasser, schwitze aus allen Poren.

Everything? Wer everything nimmt, riskiert unter Hitzewallungen einen Capsaicin-Schock! Ich strecke mein Essen mit weiterem Reis. Ausgewogen gewürzt schmeckt anders, aber die Schärfe ist nun erträglich. Trotzdem schneidet das Menü im Vergleich zu anderem Flugzeugessen außergewöhnlich gut ab. Die übliche verkocht-matschige Konsistenz fehlt und die Chilisauce vertreibt jede Geschmacklosigkeit. Auch Fischsuppe und Maracujatörtchen sind – als Bordverpflegung – nicht zu verachten. Nur das Obst schert aus und dümpelt lieblos zusammengewürfelt in seinem Schälchen.

Im Himmel über China

Unsere Flugroute führt über Polen, das Baltikum und Russland weiter über die Mongolei und China hin nach Südkorea. Als wir die Grenze zwischen Sibirien und der nördlichen Mongolei überfliegen, schleicht sich die Sonne in den wolkenlosen Nachthimmel. Das Dunkel der Nacht löst sich im Zwielicht auf und die Sterne verlöschen.

Mit einem zarten roten Schimmer am Horizont beginnt der neue Tag und taucht den Himmel in zerbrechliches Blau. Kurze Zeit später erstrahlen Triebwerke und Anströmkanten der Tragfläche in purem Gold. Der Himmel füllt sich allmählich mit Licht und das klirrend-frische Blau bleibt hinter uns zurück.

Time to Destination 4:27

Zehn Kilometer unter uns mäandert ein Fluß durch die schneebedeckten Felsen des Khentij-Gebirges, dem am dünnsten besiedelten Landstrich der Mongolei. Die glasklare Luft gibt den Blick frei auf eine schroffe, menschenleere Bergwelt.

Während wir uns China nähern, schiebt sich Dunst unter die Boeing. Die Nebelfetzen verdichten sich allmählich zu einem durchgehenden Meer aus Watte. Zeit für ein ausgedehntes Nickerchen, das ich erst wieder beende, als wir zwischen Incheon-Brücke und der im Gelben Meer badenden Insel Muuido zur Landung ansetzen. Es ist Mittagszeit, zehn Stunden nach dem Start kommen wir in Korea an.

Auf der Landkarte

  1. Flughafen Frankfurt

  2. Incheon Airport

  3. Phnom Penh Airport

Wir freuen uns über deinen Kommentar zu unserem Artikel

Da schau her!

Ein Streifzug durch Angkor ThomDie dunkle Seite Phnom Penhs: Tuol SlengWat Phnom: Das Kloster auf dem Hügel im Zentrum Phnom Penhs