Food.
Travel.
Blog.
Kambodscha

Gay Nightlife in Phnom Penh

Don und Brian haben wir beim Kochkurs kennengelernt. Beim Mörsern und Stößeln hatten wir beschlossen, den Tag bei einem After-Dinner-Drink gemeinsam ausklingen zu lassen. Um 21.30 Uhr wollen wir uns vor dem Königspalast am Ufer des Mekong treffen und von dort in die schwule Subkultur Phnom Penhs aufbrechen.

Tuk-Tuk zum Tuck-Tuck

Es ist 21.20 Uhr und Zeit aufzubrechen. Satt und zufrieden verlassen wir das Restaurant Romdeng. Vor der Tür warten Tuk-Tuks auf Kundschaft.
»To the Royal Palace, please«, instruieren wir den Fahrer.
»Royal Palace, yes yes!« Der Fahrer tritt den Anlasser durch und los geht es.

Wir haben bei Google Maps nachgesehen, wo das Restaurant liegt. Zum Königspalast ist es nicht weit. Das Tuk-Tuk knattert durch kleine Gassen; schnell werden die Ecken dunkler und schäbiger. Wir queren eine Hauptstraße und fahren unter einer weiteren hindurch.

Die Gässchen sind holprig, die Häuser am Straßenrand unbeleuchtet. Beinahe zehn Minuten sind wir schon unterwegs. Plötzlich werden wir unsicher, wohin uns der Fahrer bringt. »Royal Palace?«, rufen wir fragend nach vorne. »Yes, yes«, murmelt er über seine Schulter zurück.

Die Straße wird breiter und heller. Wir knattern am olympischen Stadion vorbei, in dem nie eine Olympiade stattfand. Unser Fahrer stoppt an einer Hotelvorfahrt und blickt uns erwartungsvoll an. Am Eingang prangt in goldenen Lettern: »Royal Palace Hotel«.

Obviously gay

Es wäre schwer zu entscheiden, wem die Gesichtszüge vor dem Royal Palace Hotel mehr entgleist sind: dem Fahrer oder uns. Eine Viertelstunde später ist das Problem gelöst: Wir klettern vor dem Königspalast – dieses Mal dem echten! – aus dem Tuk-Tuk.

Don und Brian warten bereits, wir kommen fast eine halbe Stunde zu spät. Brian stöhnt, ob wir nun in die Bar aufbrechen könnten und fächelt sich mit geknicktem Handgelenk Luft zu. Die beiden sind schwul. Für europäische Verhältnisse sind Don und Brian sogar sehr schwul.

Wir erreichen die Blue Chilli Bar, in der kein Sitzplatz mehr frei ist. Etwas unschlüssig stehen wir herum. Ein Kellner kommt angerauscht und fragt, welche Drinks er bringen dürfe. Ein Sitzplatz wäre ein Anfang, teilen wir ihm mit. Er blickt sich mit hochgezogener Augenbraue um, visiert einen Tisch an und scheucht die dort aufreizend herumlungernden Kambodschaner hinfort. Don und Brian finden das ganz normal, wir sind etwas peinlich berührt.

Nach der zweiten Runde Drinks fällt Don und Brian auf, dass sich der Abend äußerst lustig entwickelt. Uns fällt auf, dass Don und Brian keinen Alkohol vertragen. Brian kann sich kaum noch auf seinem Barhocker halten. Als er besonders bedenklich schwankt, stehen plötzlich drei Skandinavierinnen vor uns, die wir am Vormittag in der Cooking Class kennengelernt haben.

Oh no! A drag show

In Südostasien sind Travestieshows der Inbegriff von schwulem Nightlife. Ob Bar, Club oder Sauna: Wer etwas auf sein Etablissement hält, hat eine Drag-Show im Programm. So auch die Blue Chilli Bar. Gegen 23 Uhr – wir wollen gerade die dritte Runde Drinks ordern – wird der Laden plötzlich voll. Es kommt, wie es kommen muss: Mit schief sitzenden Perücken erklimmen drei Jungs in Fummeln ein Podest und bemächtigen sich der Musikanlage.

Das asiatische Publikum – Don und Brian inbegriffen – ist begeistert. Die Besucher aus dem Westen – uns eingeschlossen – reagieren etwas verhaltender. Es folgt eine halbe Stunde schriller Playbacks zu Madonna, Cher und Lady Gaga, deren krönendes Ende eine Comedyeinlage ist, deren einzige Pointe daraus besteht, alles und jeden als »haaaaaaaaandsome« zu bezeichnen und über Tops, Bottoms und Inches zu schwadronieren.

Im Herzen der Dunkelheit

Nach der ohrenbetäubenden Dragqueen-Einlage ist die Luft raus in der Blue Chilli Bar. Wir ziehen weiter in das »Heart of Darkness«. Der Club liegt in der Rue Pasteur und zieht Gays und Straights, Kambodschaner und Ausländer gleichermaßen an. Auf der Tanzfläche und in den Sitzgruppen der Galerie lösen sich bei wummernden Beats die letzten Sprachbarrieren in schweißtreibendes Wohlgefallen auf.

Die Nacht hat uns hungrig gemacht. In Deutschland folgt diesem Gefühl zwangsläufig der Besuch bei McDonald’s oder Dönerbude. Nicht so in Kambodscha. Wir klettern – oder besser: taumeln – in ein Tuk-Tuk und geben dem Fahrer zu verstehen, dass wir hungrig sind. Es ist weit nach Mitternacht und die meisten mobilen Essensstände sind längst abgebaut. Doch ein paar Straßen weiter werden wir fündig

Auf der Landkarte

  1. Restaurant Romdeng

    Street 174, House 74
    Phnom Penh

  2. Royal Palace Hotel

  3. Royal Palace

  4. Blue Chilli Bar

    Street 178, House 36
    Phnom Penh

  5. The Heart of Darkness

    Street 51 (Rue Pasteur), House 26
    Phnom Penh

Wir freuen uns über deinen Kommentar zu unserem Artikel

Da schau her!

Lecker auf Kambodschanisch: unser Kochkurs in Siem ReapMit dem Tuk-Tuk durch Phnom PenhGetting around in Battambang