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Kambodscha

Das Leben am Mekong

Eigentlich wollten wir am Mekong vor den Toren des Königspalastes flanieren. Doch Pros, unser Tuk-Tuk-Fahrer, hat eine bessere Idee. Er jagt sein knatterndes Gefährt die River Front entlang, an Wat Phnom vorbei zur Großbaustelle der neuen Chroy-Changvar-Brücke, wo wir den Tonle Sap queren wollen.

Auf die Halbinsel Chroy Changvar

Der Verkehr quält sich über eine marode Brücke, die den Tonle Sap überspannt. Ein chinesischer Konzern baut bereits an einer neuen Brücke. Noch ist sie nicht fertig gestellt und unserem Tuk-Tuk bleibt keine Wahl, als das alte Bauwerk zu erklimmen. In einer Wolke aus Abgasen zuckeln wir zusammen mit unzähligen anderen Fahrzeugen über den Fluss.

Direkt nach der Brücke hält sich Pros rechts und fährt eine Schotterpiste längs des Ufers entlang. Jedes entgegenkommende Fahrzeug schleppt eine Staubwolke mit sich. Pros zieht sein Halstuch als Mundschutz vors Gesicht. Wir behelfen uns mit unseren T-Shirts und und schauen nach hinten, damit wir vom Fahrtwind keinen Staub in die Augen geblasen bekommen.

Hier wird alles neu gemacht, versichert uns Pros. Er nickt in Richtung eines vielstöckigen Betonklotzes, der vor uns aufragt wie ein überdimensionierter Weltkriegsbunker.
»A new five staaaa!«, berichtet er stolz.
Der Betonklotz wird das neue Sokha Phnom Penh Hotel, ein Monster mit über 700 Zimmern.

Ein einzigartiges Naturspektakel

Am äußersten Zipfel der Halbinsel Chroy Changvar stoppen wir. Hier fließen Mekong und Tonle Sap zusammen. Der Ursprung des Tonle Sap Flusses ist der Tonle Sap See im Zentrum Kambodschas.

Jedes Jahr im Sommer ereignet sich an dieser Stelle ein besonderes Phänomen. Der Mekong schwillt an und führt riesige Mengen Schmelzwasser aus dem Himalaya und Monsun-Niederschläge mit sich. Diese Wassermassen drücken in den Tonle Sap Fluss, sodass dieser seine Fließrichtung umkehrt und das Wasser dem Tonle Sap See zuführt.

Der Tonle Sap ist der größte Binnensee Südostasiens und bedeckt eine Fläche, die fünfmal so groß ist wie der Bodensee. Fließen die Wassermassen des Mekongs in den Tonle Sap, steigt der Pegel des Sees um bis zu neun Meter. Der See erreicht dann die dreißigfache Größe des Bodensees. Im Herbst dreht sich die Richtung des Tonle Sap Flusses wieder und das Wasser fließt zurück in den Mekong.

Die Hausbootsiedlung der Cham

An der Tonle-Sap-Mündung haben Cham eine schwimmende Siedlung angelegt. Seite an Seite haben sie ihre Hausboote vertäut. Die Cham bleiben seit jeher unter sich. Im Kambodscha stellen sie eine ethnische Minderheit dar. Als einzige Volksgruppe im Land gehören die Cham dem Islam an. Unter Pol Pot wurden sie verfolgt und ermordet.

Als wir uns der Hausbootsiedlung nähern, umringen uns Kinder. Kleine, ziemlich schmutzige Hände patschen nach allem, was in ihrer Reichweite liegt. Wir bringen die Kamera über unseren Köpfen in Sicherheit und stellen uns dem unvermeidlichen Tumult. Pros steht abseits uns grinst.

Cham-Kinder am Ufer des Mekong

Die Hausbootsiedlung der Cham ist vermutlich angezählt. Sobald das Sokha Hotel Ende 2014 eröffnet, wird sich die Hotelleitung um ein aufgeräumtes Umfeld bemühen. Ärmliche Hausboote vor den Fenstern der Gäste passen da kaum ins Bild.

Der Weg zurück

Wir klettern zurück ins Tuk-Tuk und fahren die Mekong River Street auf der anderen Seite der Halbinsel entlang. Vorbei am Fähranleger geht es zu einer besonderen Sehenswürdigkeit: Pros zeigt uns sein Haus. Für kambodschanische Verhältnisse ist er nicht schlecht gestellt. Seine Frau arbeitet als Zimmermädchen in einem Hotel, erzählt er uns. Er verdient sein Geld mit dem Tuk-Tuk, das ihm selbst gehört – im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen.

Fähre über den Mekong

Der Bahnhof ist die letzte Station unserer Tour durch Phnom Penh. Seit Einstellung des Schienenverkehrs in Kambodscha ist er verlassen.

Pros fährt einmal mehr über die baufällige Brücke, biegt um ein paar Ecken und wir stehen auf dem Bahnhofsplatz. Der Bahnhof wird mittlerweile vom Militär als Depot genutzt. Wir spähen durch die Gitterstäbe der Türen und zücken die Kamera. Das erzeugt sogleich Aufmerksamkeit. Ein griesgrämig dreinblickender Uniformierter schnauzt uns an und verscheucht uns. Pros zuckt mit den Schultern, wir auch. In Battambang, dem nächsten Etappenziel unserer Rundreise, gibt es auch einen stillgelegten Bahnhof.

Auf der Landkarte

  1. Mündung des Tonle Sap in den Mekong

  2. Fähre über den Mekong

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