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Kambodscha

Mit dem Bus von Phnom Penh nach Battambang

Der Frühstücksraum ist wie ausgestorben. Es ist sieben Uhr und das Personal geht anscheinend nicht davon aus, dass Gäste um diese Zeit tatsächlich Appetit verspüren könnten. Wir warten gähnend an unserem Tisch und werden beim Blick auf die Uhr nervös. Damit wir den Bus nicht verpassen, müssen wir in dreißig Minuten aufbrechen.

Das nächste Etappenziel

Unser Ziel heute ist Battambang (ausgesprochen »Battambong«), eine Stadt westlich des Tonle Sap Sees. Bereits bei unserer Ankunft haben wir Bustickets von Phnom Penh nach Battambang gebucht. Busse sind das beste Verkehrsmittel, um in Kambodscha zu reisen. Durch den Ausbau der Nationalstraßen ist ein Netz privater Buslinien entstanden, das den Reiseverkehr grundlegend verändert hat. Die großen Städte des Landes sind durch Fernbusstrecken verbunden.

Battambang hat einen Flughafen, von dem aus Phnom Penh mit zweifelhaften Maschinen bedient wurde. Im Internet finden sich zahlreiche Websites, die Flüge von und nach Battambang anbieten. Die Suche verläuft allerdings regelmäßig ergebnislos, da der Airport längst geschlossen ist. Die Busse läuteten das Ende der Linienflüge ein, da sie komfortabler, flexibler und günstiger sind.

Ein ähnliches Schicksal erfuhr die Bahnverbindung von Phnom Penh nach Sisophon, an der Battambang liegt und die einst bis Bangkok reichte. Die Gleise aus der Kolonialzeit sind in erbärmlichem Zustand, weshalb die Züge nur im Schneckentempo vorankamen und häufig liegen blieben. Eine Reise aus der Hauptstadt nach Battambang dauerte mit zwölf Stunden mehr als doppelt so lange wie mit den neuen Busverbindungen. Die Zugverbindung wurde daher vor einigen Jahren eingestellt, soll aber in naher Zukunft wiederbelebt werden.

Nichts wie los!

Der Concierge schlurft gähnend aus einem Hinterzimmer hinter seiner Theke. Als er uns sieht, entfährt ihm ein überraschtes »Oh«, gefolgt von einem Lächeln: »Good Morning! Wanna have breakfast?« Er nimmt unsere Bestellung auf und macht sich vermutlich auf die Suche nach jemandem, der unsere Pancakes produzieren kann. Da die Küche auf der gegenüberliegenden Seite der Empfangshalle liegt, wird dieses Unterfangen wohl etwas dauern.

Nach mehreren Minuten kommt der Concierge wieder zum Vorschein. Er blickt in unsere Richtung und lächelt, dann beginnt er hektisch hinter der Theke in Papieren zu wühlen. In fünfzehn Minuten müssen wir aufbrechen, wenn wir unseren Bus nicht verpassen möchten.

Die Belegschaft verdoppelt sich um eine Kellnerin. »Tea or coffee, Sir?«, fragt sie und dreht die umgekehrt auf unserem Tisch stehenden Tassen um. Wir bestellen Tee und machen sie auf den etwas engeren Zeitplan aufmerksam. Als Antwort bekommen wir ein strahlendes Lächeln. Der Concierge hat seine Ausgrabungen beendet und lächelt ebenfalls zu uns herüber.

Wir schauen von ihr zu ihm und wissen: Hier wird gleich alles furchtbar schief gehen! Falls wir die Sache nicht selbst in die Hand nehmen, können wir uns den Bus abschminken. Nicht, dass wir schon beim Check-in unsere Reisepläne angekündigt, die Bustickets über das Hotel bestellt und gestern nochmals alles besprochen hätten!

Noch zehn Minuten bis zum Aufbruch. Jetzt ist Eigeninitiative gefragt. Wir bitten die Kellnerin, Tee und Pancakes zu servieren, obwohl wir kurz den Tisch verlassen. Der Concierge soll unsere Rechnung erstellen, während wir ins Zimmer sausen und die Rucksäcke holen. Parallel zum Bezahlen organisieren wir auf der Straße ein Tuk-Tuk, das auf uns wartet.

Noch fünf Minuten. Das Tuk-Tuk steht vor der Tür, der Tee auf dem Tisch. Der Concierge kämpft mit dem Kreditkartenlesegerät, die Köchin mit den Pancakes.

Noch drei Minuten. Das Kartenlesegerät spuckt den Bon aus, die Kellnerin balanciert die Pancakes aus der Küche. Wir stopfen die Rechnung in den Rucksack und die Pancakes in uns hinein. Mit dem letzten Bissen im Mund stürzen wir vor das Hotel.

Der Tuk-Tuk-Fahrer sieht uns erwartungsvoll an: »Airport, Sir?«
»Bus terminal at Central Market«, antworten wir und wuchten die Rucksäcke ins Tuk-Tuk.

Rastplatz an der Nationalstraße von Phnom Penh nach Battambang

Der Bus nach Battambang

Wenige Minuten vor der fahrplanmäßigen Abfahrt des Busses treffen wir am Terminal ein, an dem eine Menschentraube wartet, aber kein einziger Bus. Wir fragen den Tuk-Tuk-Fahrer, wo der Bus nach Battambang abfährt. Er deutet mit einer weitläufigen Armbewegung auf das Terminal. Die Abfahrtstafel ist auf Khmer verfasst, eine Durchsage ertönt ebenfalls nur in der Landessprache.

Wir überlassen die Sache lieber nicht dem Zufall und fragen den Tuk-Tuk-Fahrer nochmals nach unserem Bus. Er trabt an den Fahrkartenschalter und erkundigt sich. Mit der Auskunft, dass der Bus noch nicht da sei, klettert er kurz darauf wieder in sein Tuk-Tuk und knattert davon.

Traktorgespann auf der Nationalstraße in Kambodscha

Mit einem Mal füllt sich das Busterminal. Ein halbes Dutzend Busse trifft fast gleichzeitig ein. Sie sind in Englisch und Khmer beschriftet und fahren nach Siem Reap, Sihanouk Ville, Banlung oder Poipet. Alle Busse haben WiFi an Bord. Prima, denken wir; haben wir in den letzten Tagen doch wenig Zeit gefunden, online nach dem Rechten zu sehen. Zuletzt trifft der Bus nach Battambang ein. Verglichen mit den anderen Bussen nimmt er sich schäbig aus – und hat als Einziger kein WiFi.

Die Menschenmenge kommt in Bewegung und schart sich um die Busse. Kunstvoll verschnürte Kartons, Körbe mit Kleinvieh und vereinzelte Rucksäcke wandern in die Ladeluken. Die Sitzplätze sind nummeriert und auf den Fahrkarten zugewiesen. Vor der Abfahrt kontrolliert ein Angestellter des Busunternehmens die Passagierliste und platziert einige Fahrgäste um.

On the road

Die Fahrt ist ausgebucht. Die meisten Fahrgäste sind Kambodschaner, unter die sich einige Touristen mischen. Kaum setzt sich der Bus in Bewegung, beginnt das Bord-Entertainment: In ohrenbetäubender Lautstärke werden abwechselnd kambodschanische Schnulzen und Martial-Arts-Filme mit einer übergewichtigen Jackie-Chan-Imitation gezeigt.

Haus auf Stelzen in Kambodscha. Die hochgelegte Bauweise schützt das Haus vor Überschwemmungen und Schädlingen. Unter dem Wohnraum entsteht außerdem ein schattiger Unterstand. Höhe und Beschaffenheit der Stelzen zeugt vom Wohlstand der Familie.

Die Nationalstraße führt südlich des Tonle Sap über Udong, Kompong Chhang und Pursat nach Battambang. Der Fahrer treibt den Bus ins halsbrecherischem Tempo über die Straße. Bei jeder Gelegenheit überholt er mitunter abenteuerliche Gefährte. Mit einem Mal verstehen wir die Warnung vor dem kambodschanischen Straßenverkehr sehr gut.

Als die Kilometer dahin gehen, verändert sich die Landschaft vor den Fenstern und ein Bilderbogen des ländlichen Kambodschas zieht vorbei. Wasserbüffel grasen in Reisfeldern entlang der Strecke; kuppelförmige Ziegeleien qualmen vor sich hin; vor einfachen Hütten trocknet Reis auf großen Matten in der Sonne.

Ziegelei unter dem dunstigen Himmel des Tonle-Sap-Beckens

Es ist Nachmittag geworden, als wir in Battambang ankommen. Wir suchen uns ein Tuk-Tuk und ignorieren die Versuche des Fahrers, uns in ein Hotel umzuleiten, von dem er eine Provision kassieren könnte. Beim Schlürfen des Welcome-Drinks auf dem Empfangssofa unseres Hotels schlafen wir fast ein, so ruhig ist es hier verglichen mit dem Getöse im Bus.

Auf der Landkarte

  1. Busterminal in Phnom Penh

  2. Busterminal in Battambang

Tipps und Erfahrungen

  • Eine Fahrtkarte kostet 6,50 $ pro Person. Wir konnten keinen Preisunterschied feststellen zwischen einer direkter Buchung bei der Busgesellschaft und dem Kauf der Tickets über das Hotel.
  • Auf der Strecke befindet sich je ein Zwischenhalt in Kompong Chhang und Pursat. Zusätzlich rastet der Bus unterwegs für 15 und 30 Minuten, damit die Reisenden austreten und sich mit Proviant eindecken können.
  • Ohrstöpsel nicht vergessen: Der Sound im Bus ist so ohrenbetäubend wie nervenaufreibend.

Kommentare zu diesem Artikel

Battambang Kambodscha schrieb am

Die Reise haben wir auch gemacht :) Einfach toll was einem da vor den Fotoapparat läuft erscheint :) Battambang bleibt nr. 1 in Kambodscha

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