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Kambodscha

Getting around in Battambang

Battambang ist nach Phnom Penh die zweitgrößte Stadt Kambodschas. Noch wird sie selten von Reisenden besucht, was sich wahrscheinlich bald ändern wird. Wir haben die Stadt am Sangkar, einem Zufluss des Tonle Sap, in unserer Reiseroute bedacht und diese Entscheidung nicht bereut.

Battambanger Nächte

Die letzten Tage waren anstrengender als gedacht und so entfiel der für gestern geplante Besuch des Battambanger Nachtmarkts zu Gunsten eines kurzen Nickerchens, das direkt in einen stundenlangen Tiefschlaf mündete. Dafür sind wir bestens ausgeschlafen, als die Stadt im Morgengrauen erwacht.

Der Ruf des Muezzins kurz vor Sonnenaufgang bekräftigt Battambangs Ruf als muslimische Hochburg Kambodschas. Der krächzende Gesang wird begleitet von einem animalischen Konzert aus nervösem Keckern, das entfernte Ähnlichkeit mit einer schlecht geölten, quietschenden Maschine hat.

Nicht weniger animalisch geht es im Nebenzimmer zu, dessen Bewohner ebenfalls schon wach sind und den neuen Tag mit einem ausgiebigen Geschlechtsakt begrüßen. Kaum haben der Muezzin und unsere Zimmernachbarn ihr Werk vollbracht, beschallt das vis-a-vis liegende buddhistische Kloster die Umgebung mit einem ausdauernden, monotonen Plingelplöng. Die Nächte in Battambang enden früh!

Im Herzen von Battambang: Die prächtige Pagode des Klosters Wat Piphit

Unterwegs in Battambang

Vor dem Hotel wartet ein Tuk-Tuk auf uns. Wir klettern in das Gefährt und teilen dem Fahrer unsere Pläne für den Tag mit. Diese passen ihm anscheinend überhaupt nicht: Den Weg zur Bank und unseren Wunsch nach Zahnpasta empfindet er als eine solche Zumutung, dass er kurzerhand die Unterhaltung einstellt und uns komplett ignoriert. Perplex sitzen wir auf der Rückbank seines altersschwachen Gespanns und überlegen, wie wir den Typen asiatisch-elegant loswerden.

Mit einem Röcheln löst sich unser Problem von alleine: Der Motor des Tuk-Tuks ist abgestorben und jeder Startversuch endet in einem kläglichen Stottern. Der Fahrer schmeißt uns am Rand einer schäbigen Straße mit einem grunzenden Kopfnicken aus seiner schrottreifen Kutsche. Unschlüssig stehen wir am schlammigen Straßenrand. Nichts tut sich, ein anderes Tuk-Tuk ist weit und breit nicht zusehen. Wir traktieren den immer missmutiger werdenden Fahrer, bis dieser sein Handy zückt und einen seiner Tuk-Tuk-Kumpels anruft, der uns eine Viertelstunde später auch tatsächlich abholen kommt. Unser neuer Fahrer erweist sich als Glücksfall: Er hat nicht nur das wahrscheinlich schnellste Tuk-Tuk der Stadt, sondern zudem noch gute Laune!

Die Straßen von Battambang sind laut und schmutzig

Die Stadt des verlorenen Stabes

Die Gründungslegende der Stadt Battambang ist eine wilde Geschichte: Ein Kuhhirte fand heraus, dass seinem Hirtenstab magische Kräfte innewohnten, mit deren Hilfe er sich zum König aufschwang. Um seine Macht zu festigen, beschloss der König eines Tages, alle Mönche des Landes zu ermorden. Das gefiel dem Sohn des Königs weniger gut, weshalb dieser gegen seinen Vater in den Kampf zog. Der König wollte den magischen Stab zur Verteidigung einsetzen, was allerdings durch noch mächtigere Magie verhindert wurde.

Der Stab ging bei dieser Gelegenheit verloren und der König musste abdanken. Es heißt, der magische Stab wurde Tage später am Ufer des Sangkar angeschwemmt. An dieser Stelle entstand eine prächtige Stadt mit dem Namen Battambang, was nichts anderes heißt als »Verlorener Stab«.

Die Statue »Da Tambong« in Battambang erinnert an die Gründungslegende der Stadt

Klöster und Paläste

Das Herz Battambangs ist der etwas heruntergekommene Zentralmarkt, an dem reges Treiben herrscht. Nicht weit vom Markt entfernt liegt Wat Piphit, in welchem mehr als hundert Mönche leben.

Als wir durch das Tor von Wat Piphit treten, ist das Kloster fast ausgestorben. Wir treffen dennoch auf zwei Mönche, die sich sehr für uns interessieren. Nach ausgiebigem gegenseitigem Fotografieren machen wir uns wieder auf den Weg, die Umgebung zu erkunden.

Die Mönche im Wat Piphit interessieren sich sehr für westliche Besucher

In Battambang stehen eindrucksvolle Zeugen kolonialer Architektur, allen voran der prächtige Gouverneurspalast. Die gegenüberliegende historische Brücke hat allerdings schon bessere Zeiten gesehen: In der Mitte hängt sie gut einen halben Meter durch und ist deshalb für den motorisierten Verkehr gesperrt, was die Kambodschaner allerdings wenig interessiert.

Nach unserem betrüblichen Erlebnis am Bahnhof in Phnom Penh wagen wir einen zweiten Anlauf in Battambang, das an der ehemaligen Bahnlinie »Phnom Penh – Sisophon« liegt. Das verlassene Bahnhofsgebäude sieht aus wie eine geschrumpfte Version der Hauptstadtstation.

Hinter dem Gebäude bietet sich ein gespenstisches Bild: Die Bahnsteige bröckeln vor sich hin, die Gleise sind überwuchert. Hier fahren schon seit geraumer Zeit keine Züge mehr.

Der Bahnhof von Battambang hat schon bessere Zeiten gesehen

Wir machen uns auf den Weg vor die Tore der Stadt und wollen unterwegs Zahnpasta kaufen, die uns unerklärlicherweise ausgegangen ist. Doch längst sind wir selbst zur Attraktion geworden: Eine Horde Kinder umringt uns lärmend und zerrt mal an unseren T-Shirts, mal an den Hosentaschen und Gürteln. Wir bringen die Kamera über unseren Köpfen in Sicherheit vor klebrigen Kinderhänden und lassen die Prozedur grinsend über uns ergehen. Als die Kinder das Interesse verlieren, klettern wir zurück ins Tuk-Tuk und verlassen das Zentrum von Battambang.

Die Ruhe vor dem Sturm: Kinder am Bahnhof in Battambang

Bei den fliegenden Hunden von Battambang

Entlang der Straßen liegen Reisfelder. In manchen grasen Wasserbüffel, in anderen arbeiten Bauern. Die meisten Felder warten jedoch abgeerntet auf die nächsten Saison. Vor den Häusern trocknet auf großen Matten allerorts die zweite Reisernte des Jahres. Battambang gehört zu den fruchtbarsten Ecken Kambodschas und gilt als die Reiskammer des Landes.

Wie eine Lebensader durchzieht der Fluss Sangkar das Tiefland von Battambang. Nicht nur Pflanzen schießen in der fruchtbaren Ebene aus der Saat, auch die Tierwelt gedeiht üppig. Auf eine spezielle Art haben wir es heute abgesehen.

Etwas außerhalb, an einer alten Eisenbrücke nahe dem Kloster Wat Baydamram, liegt ein kleiner Marktflecken. Doch nicht den dürftigen Ständen der Händler gilt unsere Interesse, sondern den dahinter stehenden Bäumen. In ihnen lebt eine Kolonie Flughunde!

Man muss schon genau hinsehen, um sie zu erkennen: Flughunde hängen zu Hunderten in den Bäumen

Die Flughunde sehen aus wie große Fledermäuse, obwohl sie mit diesen nicht direkt verwandt sind. Wie die Fledermäuse sind auch die Flughunde nachtaktiv. Allerdings ernähren sie sich komplett vegetarisch, weshalb sie im Englischen auch »Fruit Bats« heißen. Tagsüber hängen Flughunde in großen Kolonien in den Bäumen. Der größte Unterschied zu den Fledermäusen ist allerdings die Flügelspannweite: Sie kann bis zu 1,70 Meter erreichen!

Flughunde, auch »Fruit Bats« oder »Flying Foxes« genannt. Die nachtaktiven Flatterer werden bis zu 30 Jahre alt.

Rund um Battambang

In Battambang gibt es vieles zu entdecken. Die Stadt ist weniger weltoffen als Phnom Penh und weniger touristisch als Siem Reap. Vor allem aber ist sie nicht von Touristen überlaufen, obwohl sie einige interessante Sehenswürdigkeiten bietet.

Wir werden uns noch Phnom Sampeau ansehen, ein Bergkloster vor den Toren der Stadt, und den alten Tempel Prasat Banan, ebenfalls auf einem Berg außerhalb von Battambang gelegen. Ein Attraktion jüngeren Datums werden wir uns ebenfalls nicht entgehen lassen – die Norries, auch »Bamboo Trains« genannt, eine improvisierte Draisinenbahn auf den Schienen der stillgelegten Cambodia Railway.

Auf der Landkarte

  1. Statue »Da Tambong«

  2. Zentralmarkt

  3. Wat Piphit

  4. Gouverneurspalast

  5. Bahnhof Battambang

  6. Flughunde am Wat Baydamram

Kommentare zu diesem Artikel

Andersreisender schrieb am

Da werden Erinnerungen wach. Lang, lang ist es her, dass ich in Battambang war. 2011, um genau zu sein. Die Stadt scheint in einem Dornröschenschlaf zu liegen und sich nicht zu verändern. Besonders beeindruckend fand ich die Weiterfahrt mit dem Boot von Battambang nach Siem Reap.

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