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Kambodscha

Angkor Wat von hinten

In halsbrecherischem Tempo steuert der Fahrer sein Tuk-Tuk um eine fast rechtwinklige Kurve. Ein Affe, der eben noch gemütlich den Asphalt überquert, sucht erschreckt das Weite. Um diese Zeit ist wenig los auf der Straße, die den Wassergraben von Angkor Wat umrundet. Nichts deutet auf die Menschenmasse hin, die tagsüber zu den Ruinen des Tempels strömt.

Der frühe Vogel in Angkor Wat

Ausschlafen ist in Angkor nicht angesagt. Wir sind in aller Früh unterwegs zum abgelegenen Osttor von Angkor Wat, dem größten sakralen Komplex der Welt. Nach langer Recherche haben wir uns entschieden, Angkor Wat an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu besuchen und dabei den Heerscharen anderer Besucher auszuweichen. Der frühmorgendliche Besuch entgegen des vorgesehenen Besichtigungswegs ist einer der Tipps, um Angkor Wat alleine zu entdecken.

Das Ostportal von Angkor Wat schlummert noch immer im Dornröschenschlaf

Tatsächlich sind wir um diese Zeit die einzigen Besucher am Osttor. Wir betreten das alte Gemäuer und werden sofort in seinen Bann gezogen. Kunstvolle Reliefs zieren die Mauern, es findet sich kein Stein, der nicht aufwändig bearbeitet und verziert wurde.

Die Tänzerinnen des Wassers

Neben Szenen aus dem hinduistischen Schöpfungsmythos, verzieren Tausende Apsaras die Wände Angkor Wats. Diese halb menschlichen, halb göttlichen Frauen stellen in der hinduistischen Mythologie Hofdamen des Gottes Indra dar. Die alten Khmer erzählten sich, dass sie von den Apsaras die Kunst des Tanzes erlernten. Außerdem galten Apsaras als Geister der Gewässer. Die künstlichen Bewässerungssysteme Angkors waren die Grundlage des Reichtums und für das alte Reich von existenzieller Bedeutung, wodurch den Apsaras besondere Beachtung zukam.

Das Flachrelief ziert die äußere Westmauer von Angkor Wat und zeigt in Lotushaltung tanzende Apsaras

Über den Nordostturm gelangen wir auf die erste Ebene des Tempels. An vielen Stellen wurden die steilen Stufen durch nicht minder steile Holztreppen überbaut. Hier aber sind wir auf die alten Steinstufen angewiesen. Jeder Tritt auf die verwitterten, ungleichen Steine muss vorsichtig gesetzt werden, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.

Von Fledermäusen, Affen und Schweinen

Oben angekommen steigt uns ein süßlicher Gestank in die Nase. Der Boden des Turms ist übersät mit kleinen, schwarzen Körnchen. Der Blick nach oben offenbart die Urheber: Im Giebel hängen Dutzende Fledermäuse. Neben uns fallen weitere Kotkörnchen zu Boden. Wir sehen zu, dass wir weiterkommen.

Der Hauptturm ist das zentrale Heiligtum des Tempels. Über steile Stufen erklimmen wir das Herz von Angkor Wat. Ursprünglich war der zentrale Turm Vishnu geweiht und nur König sowie höchstem Priester zugänglich. Seit der Hinwendung der Khmer zum Buddhismus wird hier Buddha verehrt. Von den Galerien aus offenbart sich ein beeindruckendes Panorama. Hinter den verwitterten Mauern von Angkor Wat türmen sich die grünen Kronen des kambodschanischen Dschungels. Zur Blütezeit Angkors zeigte sich allerdings ein anders Bild: Künstlich bewässerte Reisfelder prägten damals die Landschaft.

Hinter den Tempelmauern von Angkor Wat lauert der kambodschanische Dschungel

Je weiter wir uns in Richtung Westen bewegen, desto mehr Besucher strömen uns entgegen. Auf Höhe der heiligen Bäder treffen wir auf die ersten Besuchergruppen, deren Führer sich mit kleinen Lautsprechern Gehör verschaffen. Der Zauber des Tempels ist verflogen. Als wir den ersten Touristen beobachten, wir er im Innenhof an eine Tempelmauer pinkelt, erkennen wir, dass an diesem Tag unsere Zeit in Angkor Wat abgelaufen ist.

Die wahren Herrscher über Angkor Wat sind die Tempelaffen, die den Touristenscharen reichlich Leckereien abtrotzen

Sonnenaufgang in Angkor Wat

Am nächsten Tag kehren wir schon vor dem Morgengrauen zurück, um uns den Sonnenaufgang vor der Kulisse Angkor Wats anzusehen. Um fünf Uhr verlassen wir das Hotel und lassen uns zum Haupteingang des Tempels fahren. Außer einer Handvoll fliegender Händler, die an den Stufen zur steinernen Zugangsbrücke warten, sind wir alleine.

»Hello Sir, wanna buy flashlight?« Eine der Händlerinnen funzelt uns mit einem kleinen, quietschbunten Taschenlämpchen an. »Five dollaaa. Veeery cheap!«
»No, thanks«, winken wir ab und gehen weiter.
»Dark inside, Sir. Just five dollaaa, very good price!«, meint die Frau und funzelt mit dem Lämpchen auf die Steinplatten vor uns.
»Thank you, we don’t need it«, sagen wir im Gehen.
»Ohhh, dark inside! Dangerous! Four dollaaa: special price for you my friend«, versichert die Händlerin während sie mit uns Schritt hält.
»Thank you, we really don’t need it«, schlagen wir ihr Angebot aus.
»Four dollaaa: good price, good quality!«, kräht sie und zeichnet wilde Lichtmuster in die Luft.
»No, thank you. It’s not even worth two dollars«, winken wir lachend ab.
Die Händlerin bleibt zurück und wir nähern uns dem Haupttor von Angkor Wat.
»Sieht schon dunkel aus da vorne«, raunt einer dem anderen zu. »Vielleicht hätten wir die olle Lampe doch kaufen sollen.«
»Twooo dollaaa, ok?«, ruft die Händlerin hinter uns her.
Wir machen kehrt, zücken zwei Ein-Dollar-Noten und kaufen das Lämpchen.

Im Inneren des Westportals ist es stockfinster. Ohne das eben erstandene Lämpchen wäre es kaum möglich, durch die dunklen Gänge zu finden. Den kleinen Lichtkegel voraus, gelangen wir ohne Stolpern und Verirren in den ersten Innenhof.

Außer uns sind nur zwei andere Besucher da. Wir bauen unser Stativ am Ufer des Teichs auf und wimmeln mühsam ein Mädchen ab, das Kaffee verkaufen will. Bis zum Sonnenaufgang dauert es noch eine gute Stunde.

Die Silhouette der Tempelanlage ist im fahlen Mondlicht nur zu erahnen. Es sind wunderbare Momente, die wir – fast alleine – in der Dunkelheit Angkor Wats erleben. Der Tempel ist kaum zu sehen, dafür aber intensiv zu spüren. Wir lassen die Minuten still verrinnen und genießen die mystische Stimmung. In der Dunkelheit vibrieren die Geheimnisse der jahrhundertalten Mauern.

Prächtige Farbenspiele kurz vor Sonnenaufgang in Angkor Wat

Massentourismus a la Angkor Wat

Bald tanzen hunderte Lichtkegel wie dicke Glühwürmchen in der Nacht. Die mystische Stille schwindet einem vielkehligen Geschnatter. Am Teich wird der Platz langsam knapp: Immer neue Ankömmlinge drängeln sich in die dichte Menge, schieben und schubsen. Wir sind mittlerweile damit beschäftigt, die Beine des Stativs zu schützen und passen auf, dass wir selbst nicht ins schlammige Seeufer gestoßen werden.

Dicht an dicht drängen sich die Touristen, um den Sonnenaufgang in Angkor Wat zu erleben

Ein Raunen geht durch die Menge, als sich der Himmel hinter den Türmen Angkor Wats langsam aufhellt, von einem dunkeln Violett zu einem frischen Blau wird. Um die Türme scheint sich eine Korona aus Licht zu bilden. Die Meute im Hof wird jedoch von einem weitaus profaneren Licht erhellt: Hunderte Hände halten ebenso viele leuchtende Smartphones in die Höhe und versuchen, den Moment in Pixel zu brennen.

Welch atemberaubendes Erlebnis muss der Sonnenaufgang vor einigen Jahren gewesen sein, als man diesen magischen Moment mit nur einer Handvoll Menschen teilen musste!

Die Bedeutung von Angkor Wat

In einem weiteren Artikel schreiben wir über Bedeutung und Zweck von Angkor Wat – und zeigen Bilder aus dem Inneren des Tempels. Ebenso haben wir Tipps gesammelt, wie man Angkor Wat ungestört genießen kann.

Unsere Bewertung

An Angkor Wat führt kein Weg vorbei. Wer die Ruinen abseits der Touristenmassen erkundet und genügend Zeit mitbringt, erlebt das alte Tempelgemäuer als einen Ort voller Magie und Ruhe.

Auf der Landkarte

  1. Ruinen von Angkor Wat

  2. Angkor Wat, Osteingang

Tipps und Erfahrungen

Die archäologische Stätte Angkor wird von einer privaten Gesellschaft vermarktet. Ticketverkauf und -kontrolle sind professionell organisiert. Unser Dreitagesticket kostet 40 $, ein Tagesticket liegt bei 20 $ und für sieben Tage werden 60 $ fällig. Die Besuchstage können innerhalb eines Monats ab Kaufdatum frei gewählt werden.

Kommentare zu diesem Artikel

Battambang Kambodscha schrieb am

Klasse Aufnahmen. Angkor Watt ist ein super Erlebnis ich ziehe jedoch eine Stadtrundfahrt in Battambang vor :)

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