Food.
Travel.
Blog.
Kambodscha

Angkor Wat verstehen

Angkor Wat ist die größte sakrale Anlage der Welt und ist bis in die letzte Ecke mit filigraner Bildhauerkunst geschmückt. Eine solche Anlage konnte nur von einem sehr reichen und sehr mächtigem Herrscher errichtet werden. Uns interessiert, woher dieser Reichtum kam und zu welchem Zweck Angkor Wat gebaut wurde.

Königlicher Hof, heiliger Tempel und opulentes Grabmal

Angkor war einst die Hauptstadt des Khmer-Reiches »Kambuja«. König Suryavarman II. ließ Angkor Wat im 12. Jahrhundert als seinen königlichen Hof errichten. Zu der Anlage hatte nur sein Hofstaat aus Dienern, Beamten und Priestern Zugang. Bis zu 20.000 Menschen lebten innerhalb der Mauern Angkor Wats. Ihre Unterkünfte bestanden aus Holz und sind nicht erhalten. Stein war religiösen Bauwerken vorbehalten.

Angkor Wat war in früheren Zeiten dem hinduistischen Gott Vishnu geweiht. Der Aufbau der Anlage entspricht dem hinduistischen Weltbild: der Wassergraben symbolisiert das Urmeer, die Mauern das Gebirge um den heiligen Berg Meru, dem Sitz der Götter, für den der Hauptturm steht. Seit der Abkehr der Kambodschaner vom Hinduismus wird Angkor Wat als buddhistischer Tempel genutzt und beherbergt eine Vielzahl von Buddha-Statuen.

Nordwestlicher Innenturm in Angkor Wat, vom Hauptturm aus gesehen. Die Türme waren ursprünglich mit Blattgold überzogen und funkelten in der Sonne.

Der zentrale Turm stellt das höchste Heiligtum dar und durfte lediglich vom König und seinem höchsten Priester betreten werden. Nach dem Tod Suryavarmans im Jahr 1150 diente der Turm als Grabmal des Königs. Angkor Wat war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig fertig gestellt. Die Arbeiten wurden kurz darauf eingestellt und einige Reliefs und Verzierungen unvollendet belassen.

Die Könige von Angkor: Herrscher über das Wasser

Der Bau von Ankgor Wat erstreckte sich über 37 Jahre. Unvorstellbare Mengen Sandstein wurden in den Steinbrüchen des Khmerreiches geschlagen, auf die Baustelle transportiert und dort von Steinmetzen so bearbeitet, dass die Steine sich nahtlos aneinanderfügen ließen. Herrscharen von Bildhauern arbeiteten Reliefs in das Bauwerk, kaum ein Stein blieb ohne kunstvolle Bearbeitung.

An vielen Mauern in Angkor Wat finden sich Hochreliefs, die Devas darstellen, Halbgöttinnen aus der hinduistischen Mythologie

Solch eine ungeheure Arbeitskraft konnten die Herrscher von Angkor nur aufbringen, da sie durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem die Ernten in ihrem Reich verdoppelt hatten und somit nicht mehr die gesamte Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten musste. Angkor verfügte über gigantische Wasserreservoirs – die größten je von Menschenhand geschaffenen! Der westliche Baray, ein riesiger Wasserspeicher, zeugt bis heute von der Leistungsfähigkeit des Wassersystems von Angkor und ist sogar von der Internationalen Raumstation aus zu sehen.

Die Stufen führen in das südöstliche heilige Bad von Angkor Wat, einem von vier Bädern des Tempels

Die Wassergräben haben noch eine weitere Funktion: In der Trockenzeit speisen sie den Boden der Umgebung mit Feuchtigkeit, in der Regenzeit fließen die Wassermassen des Monsunregens über sie ab. Die Feuchtigkeitsunterschiede im Boden werden ausgeglichen, woduch das Erdreich weniger arbeitet und einen stabilen Baugrund bildet. Die Tempelarchitektur der Khmer wurde erst durch diesen Wasserhaushalt möglich.

Die wiederentdeckten Ruinen von Angkor Wat

Nachdem der Hofstaat Angkor aus militärischen Gründen verlassen hatte, kehrte Ruhe ein in den heiligen Mauern. Wirklich verlassen waren die Tempelanlagen jedoch nie, wenn auch nur ein Bruchteil der Mönche und Bauern zurückblieb. Die prachtvollen Gebäude verfielen und wurden Stück für Stück von der Natur zurückerobert. Der breite Wassergraben um Angkor Wat schützte die Anlage vor dem wuchernden Urwald, der andere Tempel Angkors völlig vereinnahmte.

In das Blickfeld der westlichen Welt rückten die Tempel von Angkor durch Expeditionen der französischen Kolonialmacht. Der Fotograf Èmile Gsell nahm an mehreren Forschungsreisen teil und dokumentierte auf seinen Aufnahmen Tempel und Forscher. Die Fotos sind beeindruckende Zeugnisse der unberührten Tempelruinen von Angkor und doch wenig bekannt. Erst vor Kurzem wurde ein Konvolut von einem Londoner Auktionshaus angeboten, aber nicht verkauft.

Eine der überwucherten Bibliotheken von Angkor Wat. Digital restaurierte Aufnahme des französischen Fotografen Émile Gsell von 1866 oder 1876.

Ankgor Wat, der ewige Stolz Kambodschas

Die kambodschanischen Herrscher und Regierungen waren sich des großartigen Vermächtnisses Angkors stets bewusst – und sind es bis heute. Angkor Wat ziert die Nationalflagge und zahlreiche offizielle Dokumente und Siegel des Landes.

Mitte des 19. Jahrhunderts erwachte das Interesse westlicher Besucher an den unerforschten Tempeln. Der Zweite Weltkrieg und das Regime der Roten Khmer machte den Besuch der alten Heiligtümer im zwanzigsten Jahrhundert lange unmöglich. Doch seit der Öffnung Kambodschas in den Neunzigerjahren setzte in Angkor ein Besucherstrom ein, der jährlich neue Rekorde erreicht. Der asiatische Wirtschaftsboom weckte zudem die Reiselust einer neuen, breiten Mittelschicht, die sich für die alte asiatische Hochkultur interessiert.

Angkor Wat, äußerer Innenhof zwischen südlicher Bibliothek und südwestlichem Außenturm

Angkor Wat spüren

Angkor Wat taucht auf jeder Liste mit Sehenswürdigkeiten auf, die man gesehen haben sollte. Sehen ist aber nur die halbe Wahrheit: Angkor Wat muss man fühlen. Es ist ein einzigartiger Ort zum Eintauchen und Träumen. Für viele Menschen ist der Tempel ein Ort besinnlicher Spiritualität. Dieses tiefgründige Erlebnis ist aber nur möglich, wenn man sich vor der dröhnenden und knipsenden Meute fern hält, die Angkor Wat zu den Hauptzeiten belagert – und zerstört.

Auf der Landkarte

  1. Angkor Wat, nordwestlicher Innenturm

  2. Angkor Wat, südöstliches heiliges Bad

  3. Angkor Wat, äußerer Innenhof

  4. Angkor Wat, Blick auf die Bibliothek (Foto Émile Gsell)

Wir freuen uns über deinen Kommentar zu unserem Artikel

Da schau her!

Beef Lok Lak: ein einfaches, aber raffiniertes RezeptVegetarische Frühlingsrollen selbst gemachtRezept für Kuy Teav: Frühstück in Kambodscha